Über Carl Andersen

     CARL ANDERSEN, 1958 – 2012

 

Carl Andersen 2012

Carl Andersen 2012

Filmwerk:

  • 1988: Vampyros Sexos a.k.a. I was a teenage Zabbadoing
  • 1990: Mondo Weirdo a.k.a. Jungfrau am Abgrund
  • 1990: What’s so dirty about? (Kurzfilm)
  • 1993: Killing Mom
  • 1995: Wodka, Jazz und Perestroika
  • 1996: Titty Twist in Hell
  • 1996: Entfesselte Vampirellas in Ketten (Kurzfilm für den ORF/ZDF. Zum Kompilationsfilm Kino im Kopf von Michael Glawogger)
  • 1998: Vom Luxus der Liebe a.k.a. The Luxury Of Love
  • 2000: Die Sehnsucht nach dem Mehr
  • 2001: Andersens Märchen von der Liebe
  • 2002: Lick an apple like a pussy: The movie Stanislawski never made  (Co-Regie: Silvia Lindner)
  • 2004: Eiszeit (Co-Autoren: Malga Kubiak, Sybille Kleinschmitt)
  • 2006: Female Summer
  • 2006: Chien Fuck! (fertiggestellt 2008)
  • 2011: The Ratman and His Muses
  • 2011: Neugierde (gedreht 2002 – 2004)
  • 2012: Treibsand
  • 2012: Obsession: 25 Bilder pro Sekunde (unvollendet)
  • In Arbeit: Obsession (25 Bilder pro Sekunde)

Als Darsteller:

  • 1990 WARTEN, Regie Paul Harather (Regisseur von „Indien“)
  • 1990/1991 RONNIE URINI SPECIAL, TV-Feature, Produktion ORF
  • 2000 VERDAMMT IN ALLE EITELKEIT, Regie Lothar Lambert
    Dieser Film führte die Figur des stets am Wahn befindlichen, höchst obsessiven Filmemachers „Carol Andersch“ ein, den Andersen noch in zwei weiteren Lambertfilmen spielen sollte!
  • 2005: KÜSS DIE KAMERA! WIENER WAHN HOCH ZWEI (Spiel-Doku von Lothar Lambert – Dokumentarfilm über Andersen und „seinen“ Schauspieler Erwin Leder!

Theater (Als Regisseur & Autor):

  • Lick A Pussy Like An Apple:
    The Stageplay Schiller Never Wrote

Die Grundidee des Andersenfilms „Lick An Apple Like A Pussy: The Movie Stanislawski never made“ (Filmteam beobachtet Regisseurin und Darsteller bei der Arbeit zu einem Film mit Sexszenen) wurde dazu benutzt, auf der Bühne (anstatt der Kamera) das anwesende Publikum zu beteiligten Voyeur zu machen.

 

Carl Andersen:

(* 15. Mai 1958 in Wien; † 3. August 2012 in Berlin)
War ein österreichischer, seit 1991 in Berlin lebender Filmkritiker, Filmkurator und nicht zuletzt Regisseur von äußerst einzigartigen Underground- und Low-Budget-Filmen, in welchen er auch als Produzent, Autor und Schauspieler fungierte.
Seine Filme bewegen sich im Spannungsbogen zwischen Gesellschaft und Moral und handeln von Sex, von Beziehungen und vom Filmemachen und dessen Auswirkungen auf Beziehungen und Sex – zwangsläufig oft im Contradict zu Verhaltensnormen unserer bürgerlichen Gesellschaften. In seinen Filmen lösen sich die Grenzen zwischen Fiktion, Dokumentation und Realität auf, vor allem auch, was seine eigene Person und die Rolle als Regisseur und Darsteller angeht.

Leben und Arbeit:

Carl Andersen war drei Jahrzehnte lang als Filmkritiker tätig und drehte seit 1988 selbst Filme. Er war Mitbegründer der Wiener Programmkinoszene und Veranstalter des ersten schwul-lesbischen Filmfestivals Österreichs.
Andersen verschaffte u.a. dem mittlerweile als Kultfilm geltenden Film Liquid Sky in Österreich ein lange Jahre anhaltendes Forum und kümmerte sich als Vermittler zwischen Produktionsfirmen und Kinos international um das Zeigen von als schwierig zu vermarkten geltenden Filmen abseits des herrschenden Zeitgeistes.

Auch organisierte er das Festival des subversiven Films, welches in Berlin und im Filmmuseum Potsdam gezeigt wurde.
Bei der von ihm organisierten deutschen Kinotour zum Film „Angst“ lernte er dessen Hauptdarsteller Erwin Leder (bekannt durch seine Rolle als Johann, das Gespenst aus Wolfgang Petersens Film „Das Boot“) kennen, mit dem er später die Filme „Vom Luxus der Liebe“ (1998), „Chien Fuck“ (2006) und „Neugierde“ (2011) besetzte.

Der seit den frühen 70ern Filme drehende Berliner Regisseur und Maler Lothar Lambert, dessen Filme er als Kurator zwischen 1990 und 2005 vertrieb, hat 2005 über beide einen Dokumentarfilm mit dem Titel „Küss die Kamera – Wiener Wahn hoch zwei“ gedreht. Lambert wirkte auch in einigen Carl Andersen-Filmen mit.

In Berlin war Carl Andersen viele Jahre lang Mitarbeiter im Aufbau und Kuratel der Videothek „Negativeland“, in deren Bestand er eine große Anzahl eigenwilliger und ungewöhnlicher Filme eingebracht hatte.
Zu seinem 50. Geburtstag widmeten ihm die Berliner Programmkinos Brotfabrik und Tilsiter Lichtspiele im Juli 2008 eine Gesamtretrospektive.
Bis zu seinem plötzlichen Tod arbeitete er an seinem neuen Film „Obsession: 25 Bilder pro Sekunde“, eine experimentelle und gleichzeitig fiktive und dokumentarische Arbeit über seine Position als Filmemacher und die seiner Darsteller.

Vom Luxus der Liebe„:

Andersens erster Farbfilm macht Schluss mit dem Stil seiner früheren Filme. Ab „Vom Luxus der Liebe“ gewinnen seine Filme an Tiefe und Stille. Andererseits sind nicht einfach beschaulicher Natur, vielmehr können sie auch schockieren, obwohl sie dazu primär nicht angelegt sind.
Carl Andersens Anliegen war es zunehmend ab diesem Werk, Menschen, welche sich vor der Kamera öffnen bzw. öffnen lernen wollen, auf eine nüchterne, ehrliche Weise zu zeigen. Sie sollten nicht vordergründig Rollen spielen, sondern womöglich sich selbst einbringen. Dies veranlasste er nicht, um vordergründig mit gesellschaftlichen Tabus zu brechen, diese Brüche ergeben sich ohnehin aus den Themen, Fragestellungen und dem damit verbundenen Gezeigten folglich auf natürliche Weise.
Keinesfalls sind es bequeme Filme geworden oder gar reines Unterhaltungskino, wenn immer Unterhaltungswert mit Bestimmtheit ein Bestandteil seiner Filme geblieben ist.

Vom Luxus der Liebe“ erscheint wie ein Dokumentarfilm über den Ausfall einer Filmproduktion. Regisseurin Jessica F. Manera wird von ihrer Hauptdarstellerin verlassen, und Probleme mit ihrer eigenen Sexualität machen es ihr unmöglich, den Film zu beenden. Gespräche mit Schauspielern helfen ihr nicht weiter: sie leidet an ihrem Alltag und den vergeblichen Versuchen, ihren Film zu beenden. Auch die Liebe zum Undergroundfilm bereitet nicht nur Spaß. Ein guter Film ist letztlich offenbar so viel Luxus wie die Liebe selbst.

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